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J. R. R. Tolkien

Der Herr der Ringe

schön: 5 Punkte von Reiner Knizia

Kosmos

ca. 30 €

bis 5 SpielerInnen

Schwierigkeit mittel (ab ca. 12 Jahre)

Neuauflage 2011

Der Herr der Ringe ist ein absolut außergewöhnliches Brettspiel: Es ist ein kooperatives Spiel. Doch kooperative Spiele, wie sie in den 80er Jahren die Pädagogen begeisterten, sind langweilig. Ein Spiel lebt vom Wettkampf.
Grundsätzlich ist dieser Einwand gar nicht so falsch. Aber: Die angesprochenen Herder-Spiele der 80er Jahre richteten sich an Kinder. Jetzt ist erstmals ein kooperatives Erwachsenenspiel auf den Markt gekommen. Außerdem: Die Ausnahme bestätigt die Regel, dass Wettbewerb selbstverständlich zu einem guten Spiel gehört. Der Herr der Ringe ist Ausnahme dieser Regel und zudem eine erstklassige Abwechslung.

Der Herr der Ringe ist ein Merchandising-Artikel zum Ende 2001 in die Kinos kommenden Film, dem ersten Teil einer monumentalen Trilogie. Merchandising-Artikel können aber keine guten Spiele sein.
Reiner Knizia ist der Beweis des Gegenteils gelungen. Wohl noch nie zuvor sind derart viel spielerischer Sachverstand und Ehrgeiz in ein solches Produkt gesteckt worden.

Die enge Anlehnung an die thematische Vorlage des von J.R.R. Tolkien geschriebenen Buches (das gleichzeitig in einer Neuauflage erschienen ist) muss den Spielfluss hemmen.
Sicherlich gibt es zwei, drei „Hakeligkeiten“ im Ablauf, die sich aus thematischen Zwängen ergeben, insgesamt wirkt das Spiel jedoch sehr rund.

Das Spiel interessiert nur diejenigen, die auch das Buch gelesen haben.
Richtig ist, dass Freunde des Buchs vom Spiel äußerst begeistert sind. Aber auch Nicht-Fantasy-Fans können das Spiel toll finden, wenn auch nicht so euphorisch.

Knizia-Spiele mag ich nicht. Sie sind zu mathematisch abgezirkelt, wirken konstruiert und das Thema ist aufgesetzt.
Der Herr der Ringe ist ein völlig untypischer Knizia. Die Thematik ist in absolut beeindruckender Manier in einen erstklassig passenden Spielablauf eingebunden.

Was uns hier als Mehr-Personen-Spiel dargeboten wird, ist eigentlich ein Solitärspiel.
Sicherlich kann man das Spiel auch alleine spielen, schließlich kooperiert es sich dann am einfachsten. Spannender und spaßiger ist es allerdings in der Gruppe. Schließlich hat jede SpielerIn ihren eigenen Entscheidungsspielraum und ihre eigenen Spielkarten verdeckt auf der Hand.

Der Herr der Ringe ist wie ein Computerspiel. Wenn ich die Lösung gefunden habe – also bis zum Ende durchgekommen bin und gewonnen habe – ist das Spiel uninteressant.
Nein, es gibt nicht „die Lösung“, denn der Glücksfaktor spielt eine erhebliche Rolle. Mag sein, dass das Interesse etwas nachlässt – aber das passiert auch bei vielen anderen Spielen nach einer gewissen Zeit.

Der Herr der Ringe ist das wohl umstrittenste Brettspiel, das in den letzten Jahren erschienen ist. Die oben aufgeschriebene Kontroverse macht deutlich, wie vielschichtig der Streit ist.

Worum geht es im Spiel? Jede SpielerIn hat eine Spielfigur. Sie wird auf die helle Seite der Spielleiste gesetzt. Auf der anderen, der dunklen Seite der Leiste, steht die schwarze Figur – Sauron –, das Böse. Ziel des Spiels ist es, bis zum Ende Abstand zum Bösen zu halten. Durch Ereignisse im Laufe des Spiels rücken die Figuren nach vorn, so dass ständig die Gefahr besteht, dass eine SpielerIn ausscheidet – dies geschieht, wenn ihre Spielfigur auf Sauron trifft. Wenn die ausscheidende SpielerIn zu diesem Zeitpunkt TrägerIn des Rings ist, dann ist das Spiel für alle zu Ende und alle haben verloren. Eine Chance gegen Sauron haben die SpielerInnen nur, wenn sie möglichst bis zum Ende alle im Spiel bleiben. Deshalb kämpfen sie gemeinsam dafür, dass jede einzelne Figur vor Sauron geschützt wird
.
Die Abenteuer von vier Spielbrettern gilt es zu bestehen. Die SpielerIn, die an der Reihe ist, deckt zunächst einen Spielchip auf, mit dem sie es schafft, auf einer der Aktionsleisten weiterzukommen – mit dem Ziel, auf den nächsten Abenteuerspielplan zu gelangen. Oder es wird ein Ereignischip umgedreht, der das Bestehen einer zumeist recht schwierigen Prüfung – etwa die Abgabe einer bestimmten Kartenkombination bedeutet. Selten kann eine SpielerIn diese Prüfung allein bestehen, zumeist müssen alle kooperieren. Oder eine SpielerIn nimmt das Ereignis allein auf sich, um eine weit ungünstigere Situation für die Gesamtgruppe zu verhindern. Anschließend spielt die SpielerIn, die an der Reihe ist, noch ein oder zwei Karten von der Hand aus, um zusätzlich nach vorne zu kommen.

Leute die gerne und regelmäßig spielen und zudem bereit sind, sich auf dieses äußerst ungewöhnliche Spiel einzulassen, haben die Chance, ein sehr überraschendes und unterhaltsames Spiel kennenzulernen. Leider war die Spielregel und die -anleitung, die der Erstauflage beilage, übermäßig kompliziert geschrieben (das Spiel ist übrigens keinesfalls ab 10 Jahren zu empfehlen, wie es die Schachtel der ersten Auflage behauptete). Es ist dem Spiel zu wünschen, dass Viele einen Zugang zu diesem Titel finden.

[ FAQ zu Herr der Ringe ]

Die Feinde

ca. 15 €

– nicht mehr lieferbar –

2002

In der Herr der Ringe-Erweiterung behindern 30 Feinde nun zusätzlich den Weg zum Ziel, den Ring zu zerstören. Regelmäßig werden neue Feindkarten aufgedeckt. Und ständig muss man sich bemühen, diese Karten zu besiegen. Denn es dürfen nicht zu viele Feinde offen ausliegen. Denn wenn es acht sind, ist die Partie verloren.

Außerdem ist ein Umweg über Bree und Isengart zu nehmen, denn in Die Feinde liegen zwei neue, zusätzliche, Abenteuerspielpläne. Damit die Neuerungen insgesamt nicht zu destruktiv wirken, bekommen die SpielerInnen zusätzliche Charakter-Stärkekarten und drei neue Gandalf-Karten.

Reiner Knizia hat eine hervorragend austarierte Erweiterung zu seinem Tolkien-Spiel entwickelt. Es ist keine Erweiterung, die einfach nur für zusätzliche Schwierigkeiten und längere Spieldauer (und mehr Geld in den Kassen) sorgt, sondern die das Spiel mit sehr interessanten zusätzlichen Handlungsmöglichkeiten ausstattet.

So lassen sich die Feindkarten auch dazu nutzen, einzelne Abenteuerspielpläne zu überspringen. Dies geschieht immer dann, wenn beim Abschluss eines Abenteuerspielplans alle Feinde besiegt sind. Dies eröffnet eine alternative Spieltaktik, die die Fans des Spiels sicherlich begeistern wird. Und wenn es gelingt, alle 30 Feinde zu schlagen, hat man das Spiel sofort gewonnen.

Ein Muss ist die Erweiterung trotzdem nicht. Wer den ungewöhnlichen Mechanismus des recht glücksbetonten, kooperativen Herr der Ringe nicht mag, wird auch an der Erweiterung keinen Gefallen finden. Wer den Herr der Ringe nur gelegentlich spielt und mit der dort gebotenen Komplexität zufrieden ist, braucht Die Feinde ebenso nicht.

Sauron

ca. 20 €

– nicht mehr lieferbar –

bis 6 SpielerInnen

2003

Böse Zungen hatten immer behauptet, Der Herr der Ringe sei ein Solitärspiel. Schließlich spiele dort lediglich ein Team zusammen gegen die Figur Sauron. Und wo ein Team zusammen spiele, könne auch gleich eine Person diese Aufgaben allein übernehmen. Und der Gegner ist bloß imaginär.

Das ändert sich jetzt. Mit der Sauron-Erweiterung wird Der Herr der Ringe zu einem Zwei-Personen-Spiel – was allerdings nur scherzhaft gemeint ist. Denn tatsächlich spielt das Team – und allein zu spielen ist weder beim Grundspiel noch bei dieser Erweiterung sonderlich lustig – gegen Sauron, der nun allerdings von einer SpielerIn übernommen wird.

Die Sauron-SpielerIn hat Spielkarten zur Verfügung, die er gegen das wackere Hobbit-Team einsetzen kann. Wenn bisher der gefürchtete Würfel geworfen wurde und entweder die Sauron-Figur ins Helle oder ein Hobbit ins Dunkle gezogen werden musste, tritt nun die Sauron-SpielerIn in Aktion. Sie wählt eine ihrer Handkarten aus und kann damit Sauron oder einen Hobbit gezielt nach vorn ziehen lassen.

Neu ist die Spielfigur des Schwarzen Reiters, die in der Dunkelheit startet und ebenfalls mit den Karten der Sauron-SpielerIn bewegt wird. Der Schwarze Reiter muss die Figur des Ringträgers erreichen. Dann wird die Reiterfigur umgedreht und wird zurück in die Dunkelheit gezogen. Wenn sie vor Beendigung des Abenteuerspielplans in der Dunkelheit ankommt, haben die Hobbits verloren. Und sonst startet der Reiter wieder bei null.

Da Sauron zudem jedes Mal, wenn ein Hobbit mit seinem Spielzug beginnt, aktiv wird, ist es sehr schwierig, gegen ihn zu bestehen. Den Hobbits stehen deshalb Hilfen in Form zusätzlicher Karten zur Verfügung.

Eigentlich ist Der Herr der Ringe erst mit dieser Erweiterung „fertig“ geworden. Nun spielt man eben nicht mehr gegen einen imaginären Gegner sowie den Würfel – und kann sich am Ende irgendwelche Punkte gut schreiben. Allerdings wundert man sich schon fast, wie viel Spaß Der Herr der Ringe auch früher schon gemacht hat.

Jetzt kann man endlich richtig gewinnen – wir, das Team, oder die Sauron-SpielerIn. Und gleichzeitig geht der kooperative Spielansatz innerhalb des Teams in keiner Weise verloren – eher im Gegenteil.

© games we play 2001–11 – Autor: Harald Schrapers

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