Collect!
von Jérémy Ducret und Johannes Goupy
CMYK (Redaktion: Anthony Perone, Veronika Stallmann u.a., Vertrieb: Asmodee)
Illustration: Simon Caruso
Hergestellt in China
ca. 19 €
2 bis 5 SpielerInnen (besser: 3 bis 5)
Schwierigkeit ◼◻◻◻
Jahrgang 2026
Mehr als 64 Spielkarten, drei halbe Kronen und eine ganze Krone als Pappplättchen braucht es nicht, um Menschen mit einer spannenden Spielidee an den Tisch zu locken. Hinzu kommt ein aufwändiger Glitzerdruck, der aber kein Blender ist. Die Tiere auf den Karten glänzen nämlich vor allem durch ihre einfachen, aber wirkungsvollen Fähigkeiten.
Man nimmt eine Karte von einem der beiden verdeckten Stapel und legt sie vor sich ab, falls sie gefällt. Andernfalls legt man sie zurück auf einen der Stapel und zieht stattdessen eine neue Karte. Wichtig: Es lohnt sich, sich zu merken, welche Karten zurückgelegt wurden. Das Ziel besteht darin, vier gleiche Karten nebeneinander in der eigenen Reihe zu haben. Da man jedoch nur eine Reihe bildet und neue Karten stets links oder rechts anlegen muss, ist das gar nicht so leicht.
Die Tiere helfen dabei – oder sorgen für Chaos. Die Krabbe verschiebt Karten innerhalb der eigenen Reihe. Das Krokodil frisst eine Karte aus einer beliebigen Reihe und sorgt so für Sabotage. Interaktion und Abwechslung werden hier großgeschrieben. Besonders gut funktioniert das mit mindestens drei Personen, noch besser mit vier oder fünf.
Wer eine Allianz aus vier Tieren bildet, beendet sofort die Runde und erhält eine Kronenhälfte. Wer zwei Hälften gesammelt hat oder in der letzten Runde die ganze Krone gewinnt, darf sich über den Sieg freuen.
Besonders beliebt ist das Chamäleon, da es die Farbe oder womöglich sogar die Rolle eines anderen Tiers annimmt. Und genau hier beginnt das Problem von Collect: die Spielanleitung. Das Chamäleon „steht für“, „zählt als“ oder „gilt als“ – mal ist vom „Joker“, mal von einem „beliebigen“ oder gar „jedem Tier“ die Rede. Ist das bloß sprachliche Kreativität, die sich gedankenlos in die Anleitung geschlichen hat? Oder sollen uns damit unterschiedliche Regeln mitgeteilt werden? Und wenn ja – welche?
Beim schnellen Überfliegen wirkt alles klar und einfach. Doch sobald am Spieltisch Zweifel auftauchen und man genauer nachliest, werden die Formulierungen rätselhaft und es kommt zu Streit über unterschiedliche Regelinterpretationen. Solange sich alle einig sind, kann man das als spitzfindigen Einwand abtun. Wenn jedoch unterschiedliche Meinungen aufeinanderprallen, lenkt das vom eigentlichen Spiel ab. Und ich möchte keine Regeldiskussionen, sondern ein schnelles, gut designtes Kartenspiel.
Das Potenzial dazu hat Collect zweifellos. Umso bedauerlicher ist es, dass ausgerechnet die Spielanleitung dieses eigentlich charmante Spiel so unnötig ausbremst.
Rating: 7/10 ⚄ ⇗
© Harald Schrapers · games we play 2026