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Spiel des JahresDorfromantik

Das Brettspiel

von Lukas Zach und Michael Palm

Pegasus Spiele (Redaktion: Klaus Ottmaier, Lizenz: Toukana Interactive)

Illustration: Paul Riebe

5 von 6ca. 35 €

1 bis 4 SpielerInnen (besser: 2)

Schwierigkeitsehr einfach (ab ca. 8 Jahre)

Spiel des Jahres 2023

Deutscher Spiele Preis 2023: Top 3

Brettspielpodcast | Vom Analogen ins Digitale und zurück »

Dorfromantik basiert auf einem Videogame. Erstaunlicherweise merkt man das dem Spiel gar nicht an, ganz im Gegenteil: Ein Spiel kann sich überhaupt nicht analoger anfühlen als Dorfromantik. Es wird eine Landschaft aus sechseckigen Plättchen gelegt, ganz ähnlich wie bei Carcassonne. Statt quadratische Plättchen werden hexagonale verwendet. Fast immer sind auf ihnen mehrere Landschaftsarten abgebildet, und durch geschicktes Puzzeln werden daraus zusammenhängende Flächen.

Bei Dorfromantik wird zwischen zwei Arten von Plättchen unterschieden: mit und ohne Auftrag. Erst müssen drei Landschaftsplättchen mit Auftrag aufgedeckt und angelegt werden. Auf jeden Auftrag wird ein Zahlenchip gelegt. So wird festgelegt, dass zum Beispiel ein Wald aus exakt vier Plättchen bestehen muss oder sich das Getreidefeld über sechs Plättchen erstrecken muss. Das versuchen wir, in möglichst wenigen Zügen zu erreichen, weil uns dann Siegpunkte gutgeschrieben werden und es sofort einen neuen Auftrag gibt. Wenn wir trödeln und viele Plättchen ohne Auftrag benötigen, drohen diese auszugehen. Dann ist Schluss, egal wie viele potenzielle Aufträge noch auf dem Stapel liegen.

Auch wenn man nicht alles schafft, was man möchte, gewinnt man in jeder Runde. Dorfromantik ist ein kooperatives Kampagnenspiel, bei dem wir schrittweise Zusatzherausforderungen freischalten, mit denen höhere Siegpunktzahlen möglich sind.

Dorfromantik war beim Deutschen Computerspielpreis Sieger in den Kategorien Nachwuchspreis, bestes Debüt und bestes Gamedesign. In der Begründung über das Dorfromantik-Videogame wurde geschrieben: „Besonders das entschleunigte Gameplay und das ansprechende Design sind zentrale Merkmale des Legespiels Dorfromantik.“ Das könnte man wortwörtlich auch so über das Brettspiel schreiben, denn „entschleunigt“ trifft sogar in langsamen analogen Vergleichen zu. Weiter steht im Begründungstext: „Ähnlich einem analogen Brettspiel werden nach und nach Karten aneinandergereiht, um ganz ohne Zeitdruck eine Landschaft aufzubauen.“ Der Wissenstransfer ging also vom analogen zum digitalen Spiel – und wieder zurück.

Dorfromantik ist in seiner digitalen Version ein Solospiel, und im Grunde ist seine analoge Variante auch eines, wenn man nur die Regeln betrachtet. Doch macht es keinen Sinn, etwas solitär auf einem Tisch zu spielen, was es viel attraktiver aufbereitet auch als Spiel für den PC oder die Nintendo Switch gibt. Sondern das haptisch greifbare Material macht aus Dorfromantik ein Gesellschaftsspiel, das man in Gemeinsamkeit mit einem anderen Menschen erleben möchte.

Wichtig ist, dass bei Dorfromantik zwei Leute miteinander spielen, die sich auf ähnlicher spielerischer Wellenlänge befinden. Wenn bei einer Seite das Gefühl entsteht, es allein viel effizienter spielen zu können, macht das Spiel niemandem wirklich Freude. Wenn man hingegen gut harmoniert, erzeugt Dorfromantik einen spielerischen Sog. Für mehr als zwei Personen eignet es sich das Spiel nicht besonders gut. Denn selbst in höheren Leveln gibt es kaum derart kniffligen Situationen, dass man für deren Lösung die gebündelten Überlegungen von mehreren Mitspielenden benötigt.

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