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Dune

6 von 6games we play Tip: Das TOPspielImperium

von Paul Dennen

Dire Wolf (Vertrieb: Asmodee, Redaktion: Justin Cohen, Susanne Kraft u.a.)

Illustration: Clay Brooks u.a.

ca. 50 €

1 bis 4 SpielerInnen (besser: 3 bis 4)

Schwierigkeitmittel (ab ca. 12 Jahre)

Jahrgang 2022

Brettspielpodcast | Wenn ein Spiel zum Kinobesuch motiviert »

Normalerweise soll ein Kinofilm oder ein Buch dazu anregen, sich die dazugehörigen „Merchandising“-Artikel zu kaufen. So war es vermutlich auch bei den Ken-Follett-Verspielungen Die Säulen der Erde und Die Tore der Welt gedacht, die sich beide aber als erstklassige Spiele entpuppten, die völlig unabhängig von ihrer literarischen Vorlage brillierten. In diese Reihe sortiert sich nun auch Dune ein.

Dieses Spiel, das schon vor dem Filmstart auf meinem Tisch lag, hat mich ins Kino gelockt. Ich war schon von der ersten gespielten Partie so begeistert, dass ich mehr über die Thematik die Hintergründe wissen wollte. Die Original Dune-Trilogie – deutscher Titel „Der Wüstenplanet“ – habe ich zwar gelesen – aber es ist um die 40 Jahre her. An Details kann ich mich deshalb nicht mehr erinnern.

Große Erkenntnisse hinsichtlich des Spiels konnte ich aus den 155 Kinominuten jedoch nicht ziehen. Denn aus dem von Frank Herbert verfassen Dune-Epos verwendet der Film gerade mal einen Teil des ersten Bandes, der übrigens schon 56 Jahre alt ist. Das Spiel greift hingegen auch auf Dune-Motive zurück, die nicht oder noch nicht – die Fortsetzung soll bald gedreht werden – im Film zu sehen sind. Allerdings ist das Spiel letztlich eh nicht übermäßig thematisch. Man hat auch seine Freude, wenn man keine Ahnung vom Wüstenplaneten hat.

Dune vereint Deckbuildung, Workerplacement und Ressourcenmanagement. Aus den fünf Handkarten wählt man zwei, deren Symbol mit einem Spielbrettfeld übereinstimmt. Dorthin stellt man seinen Worker – der hier Agent heißt. Manchmal muss man dafür mit Solari (das dortige Geld), Wasser oder das sagenumwobene Spice, ein bewusstseinserweiterndes Gewürz, bezahlen. Als Belohnung bekommt man Truppen oder wiederum Solari, Wasser oder Spice. Zum Schluss deckt man die drei restlichen Spielkarten auf und addiert deren unten stehende Ziffern zu einem so genannten Überzeugungswert: damit kauft man eine neue Spielkarte, die man aus der Auslage wählt. Diese kommt dann zum eigenen Kartenstapel – dem Deck –, dessen Qualität man verbessern möchte.

An jedem Rundenende kommt es zum Kampf. Wer die meisten Truppen aus der Garnison genommen hat und auf das Schlachtfeld gestellt hat, gegebenenfalls um Kampfpunkte auf den Spielkarten verstärkt, gewinnt die Auseinandersetzung. Die Siegerin kassiert zumeist ein oder zwei Siegpunkte. Das ist ein spannender Höhepunkt jeder Runde: Sind meine Trupps stark genug, hat die Gegnerin noch ein paar überraschende Kampfsymbole in der Hinterhand? Die Intrigenkarten können für Überraschungen sorgen. Oder habe ich sogar viel zu viele Truppen in den Kampf geschickt? Die sind jetzt nämlich erst mal raus aus dem Spiel, und meine Garnison ist ziemlich leer.

Dune spielt sich sehr unterhaltsam. Sehr viele unterschiedliche Spielkarten gibt es, immer fünf liegen offen aus. Man hofft, dass attraktive Karten dabei sind, die man sich leisten kann. Schade ist es, wenn im späteren Spielverlauf zu billige und unattraktive Karten die Auslage „verstopfen“: das passiert nicht oft, in manchen Partien aber schon. Das ist aber auch der einige wirkliche Kritikpunkt an diesem großartigen Spiel. 

Dune hat einen merklichen Glücksfaktor, gleichzeitig aber auch eine ganz Menge an taktisch-strategischen Herausforderungen. Je nach Spielertyp und Erfahrung sorgt es für um die zwei Stunden Spannung, manchmal dauert es sogar noch länger. Wer auf die Schlussrunden geschickt hinarbeitet, kann dort noch wertvolle Punkte gut machen und vielleicht sogar am lange Führenden vorbeiziehen.

Erfreulich ist das große Maß an Interaktion auf dem Spielbrett, die zur Folge hat, dass man Dune sinnvollerweise nur zu dritt oder zu viert spielen sollte. So gefällt mir Dune auch merklich besser als Die verlorenen Ruinen von Arnak, das auch ein solches Konstrukt aus Deckbuilding, Workerplacement und so weiter ist. Arnak ist längst nicht so spielerisch, sondern bedeutet fast schon Arbeit. Dune ist durchaus auch ein Spiel mit Anspruch, aber ohne das Spielerische aus dem Auge zu verlieren. Es ist eine ganz klare Empfehlung für alle, die ein abendfüllendes Kennerspiel auf den Tisch bringen wollen.

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