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Kavango

8 von 10von Matt Brown und Zara Reid

Schmidt (Redaktion: Anatol Dündar, Lizenz: Mazaza Games)

Illustration: Matt Brown

Hergestellt in Deutschland

ca. 54 €

1 bis 4 SpielerInnen (besser: 2 bis 4)

Schwierigkeit ◼◼◻◻

Jahrgang 2026

Was ist wichtiger – die Mechanik oder die Thematik eines Spiels? Spontan würde ich sagen: die Mechanik. Es gibt jedoch auch Spiele, bei denen mich das Thema in die Mechanik hineinbringt. Kavango ist so ein Fall. Hier merkt man sofort, dass der Autorin und dem Autor der afrikanische Naturschutz wirklich am Herzen liegt. Ob wir Europäer uns anmaßen sollten, dort aktiv zu sein, oder ob wir es sogar müssten, weil manche Herausforderungen aus den Verwüstungen des Kolonialismus resultieren, ist durchaus diskussionswürdig. Wenn ein Spiel dazu anregt, darüber nachzudenken, hat es bereits viel erreicht.

Kern des Spiels sind 160 Karten, auf denen unterschiedliche Tiere sowie ein paar Bäume und Gräser abgebildet sind. Aus diesen bauen wir unser persönliches Reservat auf. Wir spielen parallel und überlegen, welches Tier am besten passt. Dabei vermittelt Kavango einiges Wissen über ökologische Zusammenhänge, zumindest macht es den Anschein. Die Karten, die den Beginn der Nahrungskette darstellen, werden hochtrabend als „Produzenten“ bezeichnet. Da hier aber auch Wirbellose und Fische dazugehören, –  widerspricht dies der allgemeingültigen Terminologie,  denn dort gelten ausschließlich Pflanzen und Algen als „Produzenten“. Im Anhang der Spielanleitung wird dies auch so dargestellt –  aber warum dann erst so einen unpassenden Begriff ins Spiel bringen?

Klar ist: Ohne Pflanzen,  Wirbellose  und Fische funktioniert hier nichts –  es gibt keine Nahrungskette und kein Leben im Reservat. Das Zebra frisst Gräser. Der Löwe frisst das Zebra. Dabei wird jedoch niemand wirklich gefressen. Wenn ich die Löwenkarte spiele, reicht es, wenn ich das Zebra bereits ausliegen habe –  und es bleibt dann auch liegen.

In Kavango wird auch die Finanzierung von Naturschutzorganisationen thematisiert. Ich brauche Geld, um in Habitat-, Klima- und Wildtierschutz zu investieren. Das ist allerdings eher abstrakt umgesetzt. Das liegt auch daran, dass das Geld nicht in Münzen oder Scheinen auf dem Tisch liegt, sondern in Form kleiner Holzwürfelchen. Obendrein haben die Mitspieler ihre eigene Farbe bei diesem „Geld“, was zwar unrealistisch, aber praktisch ist. So können wir nachvollziehen, wer wie viel in den Klimaschutz gesteckt hat. Hier konkurrieren wir um begrenzte Möglichkeiten, sodass es passieren könnte, dass wir am Ende die entsprechenden Sonderpunkte verpassen.

Ansonsten kommt das Spiel ziemlich solitär daher –  in der ersten Partie ist man sogar ein wenig enttäuscht, wie friedlich wir oftmals die gleiche Anzahl an Punkten erhalten. Es gibt keinen Wettbewerb um die punkteträchtigen Forschungsaufträge. Alle haben die gleiche Chance und die Reihenfolge ist egal. Kavango spielt sich deshalb sehr konsequent: Es gibt kein Gerangel an Nebenschauplätzen, sondern die Konzentration liegt auf dem Wesentlichen. Forschungsaufträge sind die Leitplanken, innerhalb derer wir uns mit unseren taktischen Ideen bewegen. Sie zu missachten wäre schlecht, denn dann verpasst man die oft recht einfach zu ergatternden Punkte.

Kavango spielt sich ziemlich gemütlich: Wir bauen unser eigenes Reservat auf und zwar zeitgleich mit den anderen Spielern. Trotzdem fühlt man sich nie alleingelassen. Denn nach jedem Zug reichen wir die Karten reihum weiter –  Kartendrafting –  was für zwischenzeitliche Interaktion sorgt.

Schade ist, dass Kavango kein einfaches Kennerspiel ist. Hier hätte eine konsequentere redaktionelle Bearbeitung womöglich geholfen, wenn sie einige Details in den Fortgeschrittenenmodus verbannt hätte. Besonders knifflig ist die Regel bei den Wirbellosen: Da gibt es nicht nur eine Sorte, sondern Termiten, Bienen und andere Arten verlangen genaues Hinsehen. Außerdem gibt es für die Mitspielenden unterschiedliche Rollen, die dem Spiel etwas Asymmetrie verleihen, ohne dass dies einen wirklichen Mehrwert bringt.

Schmidt Spiele produziert stolz in Deutschland und verzichtet konsequent auf Kunststoff sowie auf eine Fertigung in China, was sehr lobenswert ist! Trotzdem fragt man sich, warum vier riesige Tableaus mit je drei mal acht Feldern beiliegen, die funktionslos sind,  denn mein Reservat ist gar nicht auf 24 Felder begrenzt. Im englischen Original waren auf dem Tableau noch zusätzlich die genau drei Felder einer Auffangstation abgebildet. In der Schmidt-Ausgabe werden diese drei Karten aber einfach auf den Tisch gelegt –  zusammen mit den Produzentenkarten und einem kleinen Zusatztableau. Dadurch wird das Haupttableau überflüssig. Und auch Pappe ist keine Ressource,  die man im Überfluss kiloschwer in eine Spielschachtel legen sollte,  selbst wenn man sie für eine später erscheinende Erweiterung gebrauchen kann.

Wer keine Erweiterung benötigt –  und Kavango ist bereits ein komplettes Spiel,  an dem mir nichts fehlt –  kann die riesigen Tableaus direkt ins Altpapier geben. Denn dann passt das Spiel auch in der Vier-Personen-Konstellation auf einen normal großen Tisch.

Kavango ist ein klasse Spiel:  thematisch stark,  mechanisch rund und wunderbar variabel spielbar –  ob zu zweit, zu dritt oder zu viert.

Rating: 8/10 ⚄ ⇑

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