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Moon Colony Bloodbath

5 von 6von Donald X. Vaccarino

Alea (Redaktion: André Maack, Tristan Schwennsen, Lizenz: Rio Grande Games, Vertrieb: Ravensburger)

Illustration: Franz Vohwinkel

Hergestellt in Deutschland

ca. 50 €

1 bis 5 SpielerInnen (besser: 2 bis 5)

Schwierigkeit ◼◼◻◻

Jahrgang 2026

Roboter sind ein Segen, denn sie nehmen dem Menschen schwere Arbeiten ab. Denkt man. Aber hundertprozentig störungsfrei laufen sie nie. Und auf einer Mondstation hat das direkt drastische Folgen und fordert Menschenleben. So makaber ist dieses Spiel.

Wir haben alle unser eigenes Tableau und starten mit 30 Bevölkerungschips, ein bisschen Geld und Äpfeln sowie vier Gebäudekarten auf der Hand. Geld geben wir aus, um Gebäude auszuspielen, die Lebensmittel brauchen wir, um die in den Bauten lebenden Menschen zu ernähren. Denn jedes Gebäude steht für weitere Bevölkerung – zusätzlich zu den 30 Chips.

Motor des Spiels ist ein für uns alle geltender Kartenstapel, der pro Durchgang mehrere „Arbeits“-Karten bereithält: Geld schürfen, Äpfel ernten, Karten nachziehen, Gebäude bauen. Dazwischen treten jedoch Ereignisse ein, die oft gar nicht gut sind. Diese reichen vom Hunger – dafür müssen die Äpfel vorrätig sein – bis hin zu besonders fiesen Robotern, deren Fehlfunktion auch schon einmal sieben Todesopfer auf einen Schlag bedeuten kann. Und das bei allen Spielenden gleichzeitig. Stetig kommen weitere Karten in den Stapel, so dass mit jedem Durchgang die dann neu gemischten Karten die Lebensbedingungen deutlich erschweren.

In den meisten Fällen gelten die Karten für uns alle. Obwohl wir auf unserem Tableau ziemlich allein spielen – Fehler würden die Nachbarn kaum mitbekommen –, entsteht trotz des kompetitiven Mechanismus ein Gemeinschaftsgefühl: Wir gegen das Spiel mit seinem gemeinen Kartenstapel.

Schön ist, dass wir hier nicht mit einem vorgefertigten Strategiekonzept ins Spiel gehen, mit dem wir uns eine hohe Gewinnwahrscheinlichkeit ausrechnen. Stattdessen sind wir gespannt auf unsere ersten Karten: Was kann man daraus machen, in welche Richtung soll sich die eigene Taktik entwickeln? Möglichkeiten gibt es einige, und auch aufgrund des großen Glücksfaktors führen unterschiedliche Wege zum Sieg.

Der Anfang ist meist klar: Gebäude bauen, die gute Fähigkeiten geben, etwa beim Schürfen oder Ernten zusätzliche Ressourcen generieren. Später errichtet man Bauten, die besonders viele Menschen beherbergen. Denn der Stapel mit den Bevölkerungschips schrumpft – und zwar schneller als gedacht. Bald muss man das erste Gebäude wieder abreißen, um mit dessen Bevölkerungswert den Blutzoll zu bezahlen, den ein Unglück oder ein fehlgeleiteter Roboter fordert. Wer seine Bevölkerung zuerst auf null gebracht hat, beendet das Spiel. Und es gewinnt, wer bei sich die meisten Überlebenden zählt.

Die im Retro-Stil gezeichneten Illustrationen verzichten auf jede explizite „Blutbad“-Darstellung. Die Bilder entstehen im Kopf. Diese Gestaltung passt sehr gut zu dem satirischen Ansatz, der hinter der Handlung steckt. Anfangs trägt diese technologieskeptische Thematik mit ihrem durchaus ernsten Hintergrund tatsächlich.

Doch mit der Zeit stellt sich eine gewisse Routine ein. Dann werden die Menschenchips wie eine beliebige Casinowährung gedankenlos hin und her geschoben. Jugendgefährdend ist diese unvermeidliche Banalisierung der Thematik sicherlich nicht, weshalb die Altersangabe „ab 14“ zu hoch gegriffen ist. Aber ich gebe zu: Jede andere Thematik würde mir auf Dauer besser gefallen als dieses „Blutbad“. Davon abgesehen hat Donald X. Vaccarino – der Autor von Dominion – ein wirklich herausragendes Spiel geschaffen, dessen Abfolge aus gezieltem Aufbau und anschließendem drastischen Abriss für enorm viel Spannung und Spielreiz sorgt.

Rating: 8/10 ⚄ ⇗

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