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Planet Unknown

6 von 6games we play Tip: Das TOPspiel von Ryan Lambert und Adam Rehberg

Strohmann Games / Adam’s Apple Games (Redaktion: Marcel Straub)

Illustration: Yorgo Manis

ca. 70 €

1 bis 6 SpielerInnen (besser: 3 bis 6)

Schwierigkeiteinfach (ab ca. 10 Jahre)

Nominiert für das Kennerspiel des Jahres 2023

Deutscher Spiele Preis 2023: Top 3

Es ist ein grandioses Spiel, macht aber keinen Spaß. Dieser Satz ist eine schlechte Einleitung. Aber man kann als Außenstehender den Eindruck gewinnen, dass er stimmt. Denn alle wollen mitspielen, und nach der Partie loben alle das Spiel in ziemlich hohen Tönen. Doch während des Spiels: Alle schauen verbissen auf ihr Tableau, versuchen eines der Tetris-Teile (Fachleute sprechen von Polyominos) hineinzupuzzeln und schimpfen dabei. Denn selten passt ein Teil wirklich gut.

Dieser Kampf um die Qualität des eigenen Tableaus, das einen unerschlossenen Planeten darstellt, ist ein herausragendes Merkmal dieses Spiels. Denn es geht uns nicht nur darum, die Gegnerin zu besiegen, sondern offenbar nehmen wir uns unpassende Puzzleteile ganz persönlich zu Herzen, weil dieses Spiel eben auch ein recht solitäres Element besitzt. Ziel ist es, die Reihen und Spalten auf dem Planeten lückenlos vollzubekommen. Das bringt nicht nur Siegpunkte, sondern dient auch der persönlichen Befriedigung. Deswegen schauen wir nur selten auf gegnerische Planeten. Die sind dann von Belang, wenn Gefahr droht, das Spiel zu beenden. Denn wenn auf irgendeinem Planeten keines der zur Auswahl stehenden Tetris-Elemente mehr unterzubringen ist, ist für alle Schluss. Etwas mehr Interesse widmen wir den Planeten unseres rechten und linken Nachbarn, denn mit denen konkurrieren wir um ein zufällig gezogenes Aufgabenkärtchen.

Präsentiert werden die Polyominos auf einer Art drehbaren Tortenplatte. Die aktive Spielerin dreht die Auswahl von zwölf Puzzleteilen so, dass das am besten passende zu ihr zeigt. Die Mitspielenden müssen dann aus dem Kuchenteil, das zu ihnen zeigt, eines von zwei Elementen auswählen. Dieser Drehteller, laut Spielanleitung eine „Raumstation“, ist der Mittelpunkt des Spiels und behält seine Faszination über viele Partien. Obwohl die Raumstation nicht schön aussieht – billiger Plastiklook, der bei mir schon vor der ersten Partie zerkratzt war. Hauptkritikpunkt: Das Ding hat keinen Deckel, so dass Planet Unknown nur dann transportfähig ist, wenn die Schachtel durchgehend gerade gehalten wird oder man in seiner Küche eine straff sitzende Topfabdeckung aus Stoff oder Silikon findet. Somit ist der Vergleich mit der drehenden Kuchenplatte sogar stimmig. Denn eine Torte kann ich genauso schlecht auf dem Fahrrad transportieren.

Ein Kaffeekränzchen ist das Spiel jedenfalls nicht. Es ist harter Wettbewerb. Nicht so hart wie es das martialische und leider nur Science-Fiction-Fans ansprechende Coverbild suggeriert: Denn es gibt keine Angriffe mit Photonenkanonen auf Raumschiffe. Nur vor Sternschnuppen sollte man sich in Acht nehmen. Tetris-Teile mit einem Meteoritensymbol unterbrechen komplette Reihen und Spalten. Da hilft dann nur noch ein Rover, der zu der zu bereinigenden Stelle fahren muss. Das klappt dann, wenn ich rote Puzzleelemente auf den Planeten lege. Dann rückt auf der entsprechenden roten Leiste mein Zählstein nach oben, was mir jedes Mal Bewegungspunkte für die Rover gibt. Entsprechend bewege ich auch die Marker in den Zählleisten für Wasser, Biomasse und Technologie vorwärts, um spielerische Vorteile zu erlangen. Besonders wichtig ist ein schnelles Verlegen von schwarzen Puzzleteilen, weil dann der Bevölkerungsmarker vorrückt. Hier gibt es Ereignisse zu gewinnen, die man aus einem Kartenstapel aussuchen darf: Wer dies zuerst tun kann, bekommt die besten Karten. Dies sorgt für Konkurrenz von Anfang an – man kann also nicht in Ruhe auf einen Schlusspunkt hin planen.

Die Spielanleitung umfasst zwar einige Seiten, die zu lesen sind. Aber im Grunde ist dieses Spiel verblüffend einfach zu erklären, so dass Menschen, die ein wenig Spielerfahrung haben, sehr gut reinkommen. Denn die Regeln sind sehr stringent aufgebaut, und aufwändige Details sind in Erweiterungsmodule ausgelagert. Die benötigt man aber nicht, um den vollen Spielspaß zu haben. Planet Unknown ist zwar kein besonders originelles Spiel – die einzelnen Elemente sind im Grunde bekannt – aber das Gesamtpaket ist überzeugend. Man kann es sogar mit sechs Personen genießen, denn über weite Teile der Spieldauer puzzeln wir parallel auf unserer Planetenoberfläche.

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