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Rebirth

8 von 10Aufbruch in eine neue Zeit

von Reiner Knizia

Frosted Games / Mighty Boards (Redaktion: Eric Slauson, Marcel Haug)

Illustration: Anna Przybylska, Kate Redesiuk

Hergestellt in China

ca. 45 €

2 bis 4 SpielerInnen

Schwierigkeit ◼◼◻◻

Jahrgang 2026

Vor uns liegt die Landkarte von Schottland. Zunächst mag man denken, dass sie mit ihren Burgen und Kathedralen eine echte historische Landschaft darstellt. Das ist sie aber gar nicht – was einigen Mitspielenden missfällt, während andere es als interessanter empfinden als ein erneutes Mittelalter-Spiel. Bei genauerem Hinsehen erkennt man nämlich, dass bei Rebirth Alt und Neu zusammenkommen: ein futuristisches Schottland nach einer Art Weltuntergang, das wir mit ganz viel Windkraft wiederaufbauen.

Beim Neuaufbau benötigen wir Siedlungen, Energie und Nahrungsproduktion. Wir decken immer eines unserer Plättchen auf und legen es an einen Platz, der mit dem entsprechenden Symbol gekennzeichnet ist. Für Nahrung und Energie erhalte ich laufend Siegpunkte für zusammenhängende Gebiete; für Siedlungen gibt es eine Mehrheitswertung, sobald alle Felder einer Stadt belegt sind.

Rebirth ist ein beeindruckendes Spiel mit beträchtlicher Tiefe – und in Relation dazu sind die Regeln sehr schnell erklärt und einfach zu verstehen. Es gibt jedoch eine Einschränkung: die Gleichstandsregelung an den Burgen. Wer das erste Plättchen neben einen Burgplatz legt, stellt dort seine Burg hin – was fünf Siegpunkte bedeutet. Diese kann man wieder verlieren, wenn Mitspielende ebenfalls ein Plättchen neben die Burg legen. Dann wird geschaut, wer die Plättchenmehrheit hat. Falls es einen Gleichstand gibt, zählen die Siedlungsplättchen nicht – ansonsten zählen sie.

Spielekenner mögen solche Volten des Mathematikers Reiner Knizia; wer weniger Spielerfahrung hat, tut sich damit aber schwer – denn das ist nicht intuitiv. Zudem kann das Spiel gegen Ende sehr unübersichtlich werden und verliert etwas von der anfänglichen Leichtigkeit. Dafür sorgen die Kathedralen: Wenn ich mein Plättchen neben deren Bauplatz lege, ziehe ich eine Karte mit Siegpunkten – mal drei Punkte einfach so, oft aber auch fünf Punkte bei erfülter Bedingung.

Beispielsweise dann, wenn ich alle Felder in den meisten mittleren Siedlungen besetzt habe. Das ist nicht nur unübersichtlich – auch die Kartentexte sind unzulänglich formuliert: Bezieht sich „die meisten“ auf die Gesamtzahl der Siedlungen? Oder bedeutet es, mehr zu haben als die Mitspielenden? Leider findet sich kein Hinweis darauf in der Anleitung. Daher können Missverständnisse entstehen – zumal Kathedralenkarten geheim gehalten werden und somit keine gemeinsame Klärung möglich. So spielen manche Gruppen unterschiedliche Interpretationen derselben Regel.

Der Spannungsbogen von Rebirth ist gewönungsbedürftig: Anfangs trifft man viele Entscheidungen und kann taktisch oder gar strategisch agieren – gegen Ende nimmt diese Freiheit ab und vieles wird zur Lotterie der Kathedralenkarten. Mal hat man Glück und erfüllt Bedingungen zufällig, manchmal bleibt einem jede Chance verwehrt.

Trotzdem entfaltet Rebirth, wenn man sich darauf eingelassen hat, einen starken Sog: Nach zwei oder drei Partien kennt man das Terrain dieses neuen Schottlands und genießt den gemeinsamen Wiederaufbau auf dem zentralen Spielplan – statt wie bei vielen modernen Spielen isoliert am eigenen Tableau zu sitzen.

Zur Abwechslung bietet das Spiel sogar noch eine zweite Seite des Plans: Irland – mit denselben Grundregeln, aber neuen taktischen Herausforderungen.

Rating: 8/10 ⚄ ⇗

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