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Valletta

nett: 4 Punktevon Stefan Dorra

Hans im Glück (Vertrieb: Schmidt)

ca. 35 €

2 bis 4 SpielerInnen

Schwierigkeit einfach (ab ca. 10 Jahre)

2017

Manches Spiel hat Pech, wenn es zur falschen Zeit auf den Markt kommt. Valletta ist genau so ein Fall. Im letzten Jahr hätte es noch die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, weil es das aus Dominon bekannte „Bauen“ eines Kartenstapels in interessanter Weise neu interpretiert. Leider ist es aber zeitgleich mit Wettlauf nach El Dorado erschienen. Auch El Dorado greift das „Deckbuilding“-Prinzip auf, macht dies aber in nahezu jeder Hinsicht besser als Valletta.

Wobei die entscheidenden Qualitätsunterschiede gar nicht beim Zusammenstellen des Kartenstapels liegen. Das unterscheidet sich eher in Nuancen. Sondern dabei, wie sich die Spielkarten als Motor für die Pöppel auf dem Spieltisch auswirken. Bei Valletta werden dabei mit Hilfe der Karten zunächst die Rohstoffe Gold, Holz, Stein und Ziegel produziert. Damit kann ich mich dann einen meiner Pöppel auf den Tisch bringen, wo viele Karten eine Art Spielbrett darstellen. Wenn ich die Ressourcen für eine Karte bezahle, kommt meine Figur drauf, und ich bekomme zur Belohnung die dazugehörige Spielkarte, die ab jetzt mein Deck ergänzt.

Benachbarte Spielkarten sind nun mit Rabatt zu erwerben, wodurch tatsächlich „Gebiete“ entstehen, wo man sich ausbreitet. Aber das ist sehr abstrakt. Wie viel einfacher ist da El Dorado! Da durchschreitet der Pöppel zielstrebig die Landschaften und hat ein klares Ziel vor Auge: das Gold. Die Pöppel bei Valletta wirken hingegen ziellos, und es entsteht kaum wirkliche Konkurrenz, außer am Anfang, wo man sich um die beste Startkarte streitet. Später spielt man eher für sich und optimiert seinen Zug, ohne groß auf die Mitspieler zu achten.

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Wenn ich den Vergleich zu El Dorado ausblende, kann einem Valletta durchaus gefallen. Es ist ein gut austariertes Spiel und taktisch-strategisch recht anspruchsvoll, trotz gar nicht so komplizierter Regeln.

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